Cloud-Speicher Vergleich: welcher Dienst passt?
Kurz gesagt
Der beste Cloud-Speicher hängt von deinem Geräte-Ökosystem und deinem Datenschutz-Anspruch ab, für sensible Daten sind EU-Anbieter mit Verschlüsselung die sicherere Wahl.
Kurz gesagt
Der beste Cloud-Speicher hängt von deinem Geräte-Ökosystem und deinem Datenschutz-Anspruch ab, für sensible Daten sind EU-Anbieter mit Verschlüsselung die sicherere Wahl.
Dein Handy meldet zum dritten Mal in dieser Woche, dass der Speicher voll ist. Die naheliegende Antwort heißt Cloud, doch sobald du suchst, prasseln zehn Anbieter und noch mehr Ranglisten auf dich ein. Viele dieser Listen sind nach Provision sortiert und blenden aus, was für dich im Alltag zählt. Dieser Vergleich geht anders vor und sortiert nach vier Kriterien, die wirklich einen Unterschied machen: in welches Geräte-Ökosystem der Dienst passt, wo die Server stehen, wie deine Daten verschlüsselt sind und was ein Jahr am Ende kostet.
Bevor du Preise vergleichst, kläre den Zweck. Wer nur Fotos vom vollen Handy auslagern will, braucht etwas anderes als jemand, der auf drei Geräten am selben Dokument arbeitet.
Es gibt grob vier Anwendungsfälle. Beim Synchronisieren liegt derselbe Ordner auf Laptop, Tablet und Handy und bleibt überall aktuell. Beim Backup schiebst du eine Kopie deiner Daten in die Cloud, damit sie einen Festplattendefekt überlebt. Beim Teilen schickst du jemandem einen Link statt einer riesigen Mail. Und beim gemeinsamen Arbeiten bearbeiten mehrere Leute dieselbe Datei.
Fast jeder Dienst kann alles davon irgendwie. Die Unterschiede zeigen sich im Detail: Google und Microsoft glänzen beim gemeinsamen Arbeiten, Apple beim lautlosen Sync zwischen eigenen Geräten, spezialisierte Anbieter beim Schutz sensibler Dateien. Als Selbstständige oder Selbstständiger mit Kundendaten solltest du das Backup ohnehin nicht allein der Cloud überlassen, dafür lohnt eine 3-2-1-Backup-Strategie.
Die vier bekanntesten Dienste kommen aus den USA und sind eng an ihr Ökosystem gebunden. Google Drive steckt in jedem Android-Handy und arbeitet nahtlos mit Gmail, Google Fotos und den Google-Docs-Werkzeugen zusammen. Microsoft OneDrive ist in Windows eingebaut und liegt Microsoft 365 samt Word, Excel und Outlook bei. Apple iCloud hält iPhone, iPad und Mac im Hintergrund synchron und ist für Apple-Haushalte praktisch alternativlos bequem. Dropbox spielt keine eigene Geräteklasse aus, gilt aber seit Jahren als besonders zuverlässig beim reinen Datei-Sync.
Daneben steht eine zweite Gruppe, die den Datenschutz in den Mittelpunkt rückt. pCloud sitzt in der Schweiz und lässt dich beim Anlegen des Kontos wählen, ob deine Daten in Europa oder in den USA liegen. Proton Drive kommt vom selben Team wie der verschlüsselte Maildienst Proton Mail, ebenfalls aus der Schweiz, und verschlüsselt alles standardmäßig Ende zu Ende. Wer Server in Deutschland will, findet sie bei IONOS HiDrive, der MagentaCloud der Telekom oder bei einer selbst betriebenen Nextcloud, etwa auf gemietetem Speicher eines deutschen Anbieters.
Zwei Begriffe entscheiden über die Sicherheit, und sie werden oft verwechselt. Der erste ist der Serverstandort. US-Konzerne unterliegen dem sogenannten CLOUD Act, der US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff auf Daten erlaubt, selbst wenn diese auf europäischen Servern liegen. Für Urlaubsfotos ist das egal, für Verträge, Gesundheitsakten oder Kundendaten kann es relevant werden. Der EU-US Data Privacy Framework schafft dafür zwar eine rechtliche Grundlage, gilt aber als angreifbar und wurde schon bei seinen Vorgängern gekippt. Die Schweiz gehört nicht zur EU, hat aber ein von der EU als angemessen anerkanntes Datenschutzniveau, deshalb tauchen Schweizer Anbieter in dieser Diskussion so oft auf.
Der zweite Begriff ist die Verschlüsselung. Fast jeder Dienst verschlüsselt deine Daten beim Transport und auf seinen Festplatten. Den Schlüssel behält dabei aber der Anbieter, er könnte theoretisch in deine Dateien schauen und muss auf richterliche Anordnung Daten herausgeben. Anders funktioniert die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, oft Zero-Knowledge genannt: Hier liegt der Schlüssel nur bei dir, der Anbieter sieht selbst nur unlesbaren Datensalat. Standardmäßig bieten das Proton Drive und Tresorit, bei pCloud kostet die Funktion (Crypto) extra, und Apple aktiviert sie auf Wunsch über die erweiterte iCloud-Datenschutzoption.
Eine kurze Checkliste, mit der du jeden Dienst prüfen kannst:
Zum Ausprobieren reicht oft der Gratis-Speicher, die Größen liegen aber weit auseinander. Google ist mit 15 Gigabyte am spendabelsten, teilt sich dieses Kontingent allerdings zwischen Drive, Gmail und Google Fotos, ein volles Postfach frisst also deinen Cloud-Platz. pCloud gibt 2 Gigabyte sofort und bis zu 10 Gigabyte, wenn du ein paar Verifizierungsschritte durchläufst. Proton Drive kommt auf bis zu 5 Gigabyte, Apple iCloud auf 5, OneDrive ebenfalls 5, und Dropbox ist mit mageren 2 Gigabyte das Schlusslicht. Die deutsche MagentaCloud der Telekom bietet Bestandskunden je nach Tarif einen kostenlosen Grundspeicher.
Für ein paar wichtige Dokumente und etwas Papierkram genügen diese Freikontingente locker. Sobald Fotos und Videos dazukommen, ist der Gratis-Platz aber schnell voll, und dann wird der Jahrespreis zur eigentlichen Frage.
Die meisten Anbieter rechnen pro Monat ab, was den Betrag klein wirken lässt. Auf ein Jahr hochgerechnet und, wo möglich, mit gleichem Speicher von 2 Terabyte verglichen, sieht es (Stand Anfang 2025, prüfe die aktuellen Preise) ungefähr so aus:
Proton Drive fällt bewusst aus dieser Reihe, weil es in der Verbraucherversion keinen 2-TB-Tarif gibt. Das Unlimited-Paket bringt rund 500 Gigabyte für etwa 120 Euro im Jahr und ist standardmäßig Ende zu Ende verschlüsselt, das kleinere Drive Plus liegt bei rund 200 Gigabyte und kostet weniger. Damit ist Proton der günstigste Weg zu echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bietet aber weniger Platz als die 2-TB-Pakete der anderen.
Zwei Dinge fallen auf. Microsoft 365 wirkt teuer, liefert aber Word, Excel und Outlook gleich mit, wer diese ohnehin braucht, bekommt den Speicher fast geschenkt. Und pCloud sticht mit seinen Lifetime-Tarifen heraus: Du zahlst einmalig einige Hundert Euro und nie wieder eine Monatsgebühr. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, ob du dem Anbieter viele Jahre treu bleibst. Bei Google, Apple und Microsoft lohnt außerdem der Blick auf die Familienfreigabe, die denselben Speicher auf mehrere Personen verteilt und den Pro-Kopf-Preis drückt.
Statt eines Siegers hier die ehrliche Zuordnung nach Lebensrealität.
Nutzt du fast nur Apple-Geräte, ist iCloud+ die bequemste Wahl, weil Backup, Fotos und Sync ohne dein Zutun laufen. Aktiviere zusätzlich die erweiterte Datenschutzoption, dann ist auch die Verschlüsselung sauber. Steht bei dir ein Windows-PC und arbeitest du mit Word und Excel, spielt Microsoft 365 seine Stärke aus, OneDrive ist ohnehin schon eingebaut. Lebst du im Google-Kosmos mit Android und Gmail, führt an Google One kaum ein Weg vorbei, das Zusammenspiel ist einfach zu gut.
Sobald sensible Daten ins Spiel kommen, etwa Mandanten- oder Patientenunterlagen, drehen sich die Prioritäten. Dann sind Proton Drive oder eine Nextcloud auf deutschem Server die ruhigere Wahl, weil die Verschlüsselung und der Standort passen. Wer maximale Kostenkontrolle mag und einem Anbieter langfristig vertraut, findet in pClouds Lifetime-Modell einen fairen Deal. Und wer gern selbst schraubt, betreibt eine Nextcloud und behält die volle Kontrolle über jede Datei.
Ein Wechsel ist weniger dramatisch, als er klingt, verlangt aber etwas Geduld. Der sicherste Weg führt über deinen eigenen Rechner: Du lädst den kompletten Cloud-Ordner beim alten Anbieter herunter und lädst ihn beim neuen wieder hoch. Bei großen Fotosammlungen dauert das, kann aber über Nacht laufen.
Google bietet mit Google Takeout einen Export aller Daten in einem Rutsch, und manche Dienste ziehen Daten auf Wunsch direkt vom alten Konto herüber. Lösche das alte Konto erst, wenn du wirklich geprüft hast, dass beim neuen Anbieter alles vollständig und lesbar angekommen ist. Wie du eine saubere lokale Kopie ziehst, bevor du irgendwo den Stecker ziehst, steht ausführlich im Beitrag Daten aus der Cloud sichern. Erst wenn diese Kopie steht, ist der Umzug wirklich abgeschlossen.
Am Ende gibt es keinen Dienst, der für alle der richtige ist. Es gibt nur den, der zu deinen Geräten, deinem Datenschutz-Anspruch und deinem Budget passt. Mit den vier Kriterien aus diesem Text triffst du diese Entscheidung in wenigen Minuten und musst dich nie wieder durch eine bezahlte Rangliste klicken.